Home Office und Kinder

Der neue Alltag

Zuhause bleiben zu müssen und gleichzeitig arbeiten zu müssen ist eine schwierige Erfahrung, die einen vor verschiedenste Herausforderungen stellt. Dabei empfindet man Kinder schnell als Belastung, die wegzumanagen ist.

Dabei ist die Situation für Kinder mit der unseren sehr vergleichbar. Sie hatten genau wie wir einen geregelten Alltag, “Arbeit” und zuhause waren weitestgehend getrennt und eine dieser Welten, zusammen mit all ihren sozialen, körperlichen und geistigen Elementen, ist weggebrochen.

Das gilt es zu berücksichtigen, wenn wir unseren Alltag zuhause nun gestalten wollen. Dabei sind zwei Faktoren wichtig:

  1. Was uns hilft, hilft oft in angepasster Form auch den Kindern, weil sich ihnen ganz ähnliche Probleme stellen.
  2. Wenn Kinder unsere ohnehin schon schwierige Lage erschweren, so ist das Teil der Situation, der wir alle ausgesetzt sind. Arbeitgeber, Kollegen und bis zu einem gewissen Grad auch Kinder, besonders aber wir selbst, müssen das mit in Betracht ziehen.

Wir selbst leben derzeit mit zwei Kindern (Grundschulalter und Abitur) in unserer nicht allzugroßen Wohnung. Wir müssen beide unsere Arbeit im Homeoffice bewältigen. Ich bin festangestellt, sie arbeitet an einem akademischen Thema.

Ich habe die Zeit in der KiTa immer gerne mit dem Arbeitsalltag verglichen, wenn es darum ging, was es bedeutet zu spät zu kommen. Das Kind wird aus dem Bett gezogen, bereit gemacht, das Frühstück kriegt es in die Hand, um es unterwegs zu essen und beim Zuspätkommen werden die Klamotten schnell abgelegt und das Kind kommt mit seinem halben Brötchen in den Morgenkreis, wo Alle es angucken, weil es in das “Meeting” platzt. Klingt nach einem fiesen Morgen auf Arbeit? Nicht ohne Grund! Genauso wie der Alltag in der KiTa/Schule mit dem Alltag auf der Arbeit vergleichbar ist, ist auch der Wegfall dieses Alltags vergleichbar.

Unsere Kinder beziehen den Großteil ihrer sozialen Kontakte aus Einrichtungen wie Schule, Hort, Vereinen und aus der Familie und Nachbarschaft. All das ist nicht bloß eingeschränkt, sondern per Grundsatz zunächst einmal komplett weg.

Auch wurde ihr Alltag genau wie unserer durch die verschiedenen Stationen eines Tages definiert. Um diese Zeit wird aufgestanden, hier wird gegessen, dort wird hingegangen und dann gelernt, an jenem Ort zu fester Zeit wird Sport getrieben, dann ab weiterer Zeit an anderem Ort wird Mittag gegessen und es ist Raum für soziale Kontakte, Hausaufgaben und zuletzt geht es zum ursprünglichen Ort für familiäre Beziehungen, Spielen, Hausaufgaben (bestimmter Ort), Abendessen (bestimmter Ort, bestimmter Zeitpunkt), Hygiene (bestimmter Ort, bestimmter Ablauf, bestimmter Zeitraum) und Schlaf (Zeit, Ort, Rituale).

Diesen Alltag durch einen festen Zeitplan zu ersetzen, wird häufig empfohlen. Das hat sich bei uns nicht durchsetzen lassen. Ich bin schon nicht imstande, meinen eigenen Zeitplan zu gestalten, geschweige denn einzuhalten, wie soll ich das mit meinen Kindern versuchen und mich dabei Ernst nehmen (ganz abgesehen von meinen Kindern)?

Für uns hat sich bisher ganz gut bewährt, den Kindern abwechselnd (mal Mutter, mal Vater) Aufmerksamkeit zu schenken, wo sie sie brauchen und uns Zeit der Isolation zu nehmen, wo wir sie brauchen (komplexe Arbeiten, förmlichere Konferenzen). Die Kinder bewegen sich frei durch den Raum, lernen aber zu respektieren, dass bestimmte Situationen nicht gestört werden dürfen, wissen aber auch, dass um diese Situationen herum Ausgleich existiert.

Kinder Alltag

Grundschulalter

Während für Kinder im normalen Alltag die Eltern die sozialen Kontakte definieren können und unterstützen müssen, gilt dies umso mehr in der aktuellen Situation. Sie werden sich nicht melden und eine TelKo mit ihren Freunden wünschen. Sie brauchen aber soziale Kontakte. Während Fortnite, Minecraft und Co im fortgeschrittenen Alter das in gewissem Maße abfedern können, ist das kein Ersatz für den unmittelbaren persönlichen Kontakt. Genausowenig kann das digitale Kommunikation. Die Folge ist: Wir sind ihre Spielpartner – oder müssen zumindest versuchen, das zu sein. Während es schwierig sein kann, eine Barbie oder einen Playmobil-Ritter in die Hand zu nehmen und das innere Kind herauszulassen, gibt es Mittelwege. Wichtig ist die Interaktion!

So kann man beim Basteln mit Rat und Tat beiseite stehen, den Rittern neue Häuser oder gar Schlösser aus Karton oder Pappe bauen oder neue Möbel oder gar Kleider für die Barbie – um jetzt mal ganz plakative Beispiele zu nutzen. So entstehen Projekte, in denen man gemeinsam ein Ergebnis anstrebt, Probleme, kreative Phasen und vor Allem auch Frust durchlebt und lernt, mit dem, was man zu produzieren imstande ist, zurechtzukommen. Wichtig ist, dem Kind das Urteil nicht vorwegzunehmen. Ich jedenfalls bin immer wieder verblüfft, mit was sie sich bereits zufrieden geben.

Ein positiver und durchaus wünschenswerter Seiteneffekt ist, dass sie dann ein neues Objekt haben, dass sie ihrer Spielwelt hinzufügen können, mit dem sie sich über längere Zeit beschäftigen können. Wer mag, kann seinen Kindern in dem Rahmen direkt gutes Projektmanagement beibringen, in dem er Ziele, notwendige Ressourcen, Stakeholder, Mannstunden und avisierte Qualität und Deadline festlegt.

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