In Ausnahmezeiten von Zuhause arbeiten

Ein Beitrag von Bor Ankhbaatar, Analystin des irischen “Think Outside The Box”-Tank The Tenth Man.

Jede Ursache bedingt eine Wirkung. Aber nichts im Leben entfaltet nur einen einseitigen Effekt. Oft gibt es Nebeneffekte, die nicht nur negativ sein müssen. Das Coronavirus ist da keine Ausnahme, höchstens ein Ausnahmezustand.

Covid19 zwingt uns dazu zur eigenen Sicherheit zuhause zu bleiben. Das kann man nicht ändern, sondern muss aus den uns jetzt gegebenen Umständen das Beste machen.

Schon vor der Corona-Seuche gab es HomeOffice, das Thema konnte sich aber nicht durchsetzen weil die Bedenken dagegen zu groß waren. Jetzt haben wir aber keine andere Wahl, denn leben und arbeiten an getrennten Orten ist vorläufig keine Option mehr. Zuhause ist für Menschen der sicherste Ort, und deshalb müssen wir alles was an Arbeit geht dorthin auslagern. Denn Wirtschaftsstillstand ist ebenfalls keine Option.

Unter den gegebenen Umständen ist Home Office die beste Option, um die Wirtschaftsverluste so gering wie möglich zu halten. Das Leben muss trotz Coronavirus weitergehen. Und Beschäftigung tut dem psychischen Wohlbefinden gut, weil es trotz aller augenblicklich veränderter Umstände der Anker ins alte Leben ist. Normalität.

Gleichzeitig bietet die Notwendigkeit zum Umzug ins HomeOffice die große Chance für ein zukünftig besseres Leben aller an.

HomeOffice ist als Window of Opportunity zu betrachten, denn jeder, der sich in Politik und Wirtschaft ein wenig auskennt, der weiß, dass man jetzt beweisen kann, dass von zuhause arbeiten für viele Branchen eine vollwertige Alternative zum klassischen Arbeitsplatz im Firmenbüro sein kann. Denn was gestern noch eine Version war, kann morgen schon Realität sein – das mobile Büro wird zum Standardarbeitsplatz. Dazwischen liegen nur noch heute und ein bisschen Arbeit.

Denn eines ist klar: die Freiheit mal eben schnell um die Welt zu reisen wurde auf Kosten des Risikos er­kauft, ebenso schnell und unbemerkt Krankheitserreger mitzubringen, die sich über die Ver­kehrsknotenpunkte unserer Infrastruktur – Flughäfen, Bahnhöfe und Autobahnkreuze -, auf der gan­zen Welt verteilen können – „unwanted gifts“ für jedermann, sozusagen.

Und kein Staat der Welt kann sich für längere Zeit den kompletten Stillstand der Weltwirtschaft leis­ten – auch China nicht, selbst wenn sie bald wieder produzieren würden. Ohne westliche Käu­fer fehlt China der Absatzmarkt. Und ohne Absatzmarkt herrscht auch dort Stillstand. Denn China ist übervölkert und besitzt im Gegensatz zu einer Firma wie Boeing nicht genug Parkplätze, um seine Waren solange zwischenzulagern, bis der MAX-Handel wieder weltweit freigegeben wird.

Der erste positive Nebeneffekt lautet also: die Städte können zukünftig entlastet werden.

Das ist aber noch nicht alles.

Nicht nur den Städtern gelingt die Landflucht, auch Dörfler sehen sich zukünftig nicht mehr in der ländlichen Einöde gefangen, sondern können beispielsweise gleichzeitig für die Schiettinger KG in 95682 Brand arbeiten und im ebenso günstigen wie belebten 02477 Leipzig-Connewitz ihren Wohnsitz aufschlagen.

Dank HomeOffice wird die kleine Welt des einzelnen Menschen zukünftig größer werden und viel mehr Chancen beinhalten als es heute der Fall ist. Der zweite positive Nebeneffekt heißt: man muss nicht mehr zwingend dort leben wo man arbeiten möchte oder muss. „Lebenslange Haft“ bei einem schlechten Arbeitgeber abzusitzen, nur weil man in der Nähe seiner Firma ein Haus gekauft hat und ohne den Job die Hausraten nicht abzahlen kann, wird größtenteils der Vergangenheit angehören.

Die Macht der schlechten Arbeitgeber wird sinken, gleichzeitig können gute Arbeitgeber um die größten Talente buhlen und müssen sich um Negativfaktoren wie beispielsweise Dublins extremst überteuerte Slum-Absteigen keine Gedanken mehr machen. Die Arbeitnehmer müssen künftig nicht mehr vor Ort wohnen, sondern können sich dort ihre Scholle suchen, wo sie für sie am günstigsten ist. Das wiederum entlastet den täglichen Stadtverkehr, sodass auch stundenlanges Staustehen wie wochentags jeden Morgen und Abend in Köln oder sieben Tage die Woche in Dublin zukünftig der Vergangenheit angehören.

Lasst unser dieses Wochenende noch den Schock durch das Coronavirus überwin­den, damit wir ab Montag mit der Zukunft beginnen und uns der positiven Nebeneffekte bedienen. Denn wenn die Krankheit schon sonst nichts nützt, kann sie uns so zumindest etwas einbringen.

Und „etwas“ ist in Zeiten von Krisen sehr viel, nämlich Hoffnung hoch zwei, oder anders ausgedrückt: ein strahlender Sonnenschein – so wie fast jeder Morgen, wenn über Omeath das Licht angeht.

Bor Ankhbaatar lebt in Omeath, Irland

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